Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

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PBSA > Type 550
Peter Behrens School of Arts / HSD, PBSA, EDI
09.11.2018

Type 550 – ­
Vom Mehl zur Form

​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​Special Mention für edi/HSD PBSA beim Designer’s Saturday 2018

Die Peter Behrens School of Arts, Hochschule Düsseldorf war dieses Jahr die einzige und erste deutsche Hochschule auf dem renommierten und traditionsreichen Designer’s Saturday in Langenthal (Kanton Bern), dem größten Designevent in der Schweiz. Mit der besonderen Auszeichnung einer «carte blanche» eingeladen, konnte edi, das Exhibition Design Institute die Arbeit von jungen Architekten und Designern aus Düsseldorf zeigen.

Zusammen mit sieben weiteren «Young Talents», Design-Universitäten aus der Schweiz und den Niederlanden, wurde ein alter Mühlenhof zum «Hot Spot» für neue Impulse. Während des dreitägigen Events begrüßten die Aussteller an insgesamt 7 Standorten 17.000 begeistertere Gäste.

Für das Team der PBSA/edi hat sich der weite Weg in die Schweiz mehr als gelohnt: edi, das Exhibition Design Institute repräsentierte zusammen mit Studentinnen und Studenten aus den beiden Fachbereichen Design und Architektur die Peter Behrens School of Arts. Das transdisziplinäre Team konnte nicht nur das Publikum, sondern auch die international besetzte Fachjury mit ihrer Inszenierung und Performance überzeugen. Die Peter Behrens School of Arts wurde gemeinsam mit der HEAD Genève mit einer «Special Mention» für ihren Ausstellungsbeitrag geehrt.

Mit dem szenografischen Beitrag der PBSA reagierten die jungen Gestalter inhaltlich und künstlerisch auf den Ort der Alten Mühle und seine Tradition. Das Konzept widmete sich ganz direkt dem Mehl und dem Brot und seiner Bedeutung für die Menschheit. Die räumliche Inszenierung irritierte die Besucher bewusst in ihren Sehgewohnheiten und schärfte dadurch den Blick auf eines unserer wichtigsten Kulturgüter. Durch künstlerisch visualisierte Küchenexperimente erschließt sich dem Besucher die Welt des Brot-Backens wieder neu. Was ist wichtig, welches Verhältnis der Zutaten ist nötig? Welche Tradition bestimmt das Backen von Brot: die anthropologische Konstante, die Kulturtechnik, das Handwerk, die Ästhetik und Praxis. Entlang einer langen Tafel entzifferte sich das Wissen um Getreide, Korn, Mahlen, Mehl, Salz und Wasser.

Die Umsetzung der Ausstellung zum «Designers’ Saturday» wurde in Rahmen eines Workshops, geleitet durch Tobias Jochinke, Philip Behrend, Eric Fritsch und Prof. Uwe J. Reinhardt, direkt mit den Studenten entwickelt. Die Studierenden haben sich dabei mannigfaltig mit den Themenfeldern «Mehl» und «Brot» und dessen Bedeutung für die Menschheit und unserer Kultur auseinandergesetzt.
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Jurystatement
von Niklas Maak (Journalist und Architekturkritiker, Hamburg)

Ich freue mich sehr, den ersten von drei Special Mentions nicht an einen arrivierten Designer oder ein großes Designbüro, sondern an eine Gruppe junger Frauen und Männer vergeben zu können, deren Karriere gerade erst begonnen hat. Vielleicht sollte ich besser sagen: ZWEI Gruppen junger Frauen und Männer.

Einen Special Mention erhält The Peter Behrens School of Arts aus Düsseldorf – und HEAD aus Genf. Beide Gruppen beeindruckten die Jury mit aussergewöhnlichen Präsentationen. Die Peter Behrens School konzentriert sich auf Mehl als Grundzutat nicht nur unseres Brotes, sondern auch unserer Zivilisation. Eine lange, dachförmige, stark an Land Art erinnernde Skulptur aus Mehl führt entlang einer kurzen Geschichte des Mehls als Essenz und Triebkraft der Zivilisation zu den Öfen, wo unregelmässig geformte Brote gebacken werden. So verwandeln die Studenten einen sehr schwierigen Raum in einen Ort der Begegnung, an dem sich Menschen auf beinahe archaische Weise um den Ofen versammeln. Neben dieser Reflexion der grundlegenden Fundamente von Gemeinschaft, des gemeinsamen Essens und der Gastfreundschaft präsentieren die Studenten der HEAD eine Bar, einen weiteren Raum der Großzügigkeit, des Festes, des Banketts, die Herzstück jeder Gesellschaft sind. Was wir hier sehen, ist ein auf das Wesentliche reduzierter Nachbau der berühmten Loosbar in Wien, mit einem exquisiten Material-Trompe-l'oeil, der eine veränderte Art von Bühne für neue kollektive Rituale schafft und über das Verhältnis von Original und Kopie, Bild und Realität und das Potenzial radikalisierter Form reflektiert.

Sehr oft geht es beim Design nicht um ein einzelnes Genie, das für sich allein arbeitet, sondern um gegenseitige Inspiration und um Kooperation. Den beiden Hochschulen wurde ein gemeinsamer Raum zur Verfügung gestellt. Sie haben das nicht als Ärgernis empfunden, sondern als Chance. Sie haben sich getroffen. Sie haben kommuniziert.
Und das Ergebnis dieser Zusammenarbeit zeigt die erstaunlichen Synergien und das Potenzial der transnationalen Zusammenarbeit, der gemeinsamen, gemeinschaftlichen Arbeit. Gemeinsam gelang es den beiden Gruppen, sowohl inhaltlich als auch ästhetisch einen Raum zu schaffen, in dem sich das Wesentliche und das Hedonistische, das Barocke und das Minimalistische beinahe organisch ergänzen: Mehl und Alkohol, leerer und komprimierter Raum, heißes Brot und kalte Drinks.
In beiden Fällen beschränkt sich Design nicht auf die Herstellung schöner Objekte, sondern gilt als Methode zur Schaffung von Räumen der Gastlichkeit und Begegnung und als kritischer Rahmen für sehr alte und erstaunlich neue soziale Rituale.
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Projektteam
Kader Arslan, Maximilian Gladisch, Valerie Hain, Meltem Kalayci, Anna Kathrein, David Klein, Sonja Koch, Julia Kohler, Luca Stein, Cathleen Weiß, Carolin Wilczynski und Felix Zanger

Projektleitung
Prof. Uwe J. Reinhardt, Dipl.-Des. Tobias Jochinke M.A., Eric Fritsch M.A. und Philip Behrend M.A.

Partner
System180 (Berlin), Ansorg (Mülheim an der Ruhr), Spielberger (Brackenheim), Bäckerei Felber (Langenthal) und Bäckerei Hinkel (Düsseldorf)

Dank
Dipl.-Des. Axel Appel, Brigitte Althaus, Dipl.–Ing. Florian Boddin, Gülcan Çelik, Jan Dominik Geipel, Masako Fujihara Geipel, Josef Hinkel, Daniel Keller, René Keusen, Prof. Wilfried Korfmacher, Franz Klein-Wiele, Georg Nöthe, Julian Peschel, Niklas Reiners M.A., Catharina Ritter, Peter Schmitz, Prof. Dipl.-Ing. Jochen Schuster, Arne Stamer, Peter Thoma und Manuela Topolovec
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Fachjury Designers‘ Saturday 2018
Elisabeth Boesch (Elisabeth & Martin Boesch Architects, Zürich), Luciano Dell’Orefice (Dell’Orefice Design Studio, Lausanne), Niklas Maak (Journalist und Architekturkritiker, Hamburg), Sevil Peach (Sevil Peach Design Studio, London) und Karin Schulte (Weissenhof Institut, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart)

www.designerssaturday.ch/de/awards​​

www.swiss-architects.com​


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