Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

​Die Masterstudentinnen Anette Hentrich und Simone Kapeller gestalteten für das Polizeipräsidium Düsseldorf zum Jahrestag der Reichspogromnacht eine Sonderausstellung mit dem Titel: "Zwischen Gehorsam und Gewissen – Novemberpogrom 1938" und knüpfen damit an eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium an (bereits die Dauerausstellung "Transparenz und Schatten" entstand in Zusammenarbeit mit der FH Düsseldorf). Die Sonderausstellung, im Foyer des Polizeipräsidiums auf zwei Etagen inszeniert, erinnert den Besucher an Düsseldorfer Ereignisse während des Novemberpogroms.


Aufbau der Ausstellung

Die Ausstellung ist auf zwei Ebenen im Foyer des Polizeipräsidiums umgesetzt. Architektonisch markant ist hier das runde Atrium über alle vier Stockwerke. Im Erdgeschoss weckt eine Installation das Interesse der Besucher. Die inhaltliche Ausstellung folgt im ersten Stock um das Rund des Atriums angeordnet. Neben den allgemeinen Entwicklungen in Deutschland zwischen 1933 und 1938 wird die Rolle der Düsseldorfer Polizei während des Novemberpogrom beleuchtet. Weitere Inhalte sind der Auslöser, der zum Novemberpogrom führte, der zeitliche Ablauf, die Nationalsozialistische Propaganda gegen Juden, die lokalen Auswirkungen auf die Düsseldorfer Juden bezogen auf zerstörten Privatbesitz, die in Brand gesteckte Synagoge und die Plünderungen jüdischer Wohnungen bis zur Zerstörungen ganzer Existenzen. Ein Kapitel widmet sich den zahlreichen Misshandelten und Todesopfern, die damals geleugnet und durch den verharmlosenden Begriff „Reichskristallnacht“ aus den Köpfen verdrängt wurden. Zentrale Quellen sind Zeitzeugenaussagen Düsseldorfer Juden, die den Holocaust überlebt haben oder rechtzeitig aus Deutschland geflohen sind.


Installation

Beim Betreten des Foyers fallen die schwarzen Straßenschilder auf, die im Atrium in 4 Metern Höhe angebracht sind. Es sind die 463 bekannten Adressen, an denen Nazis am 9. November 1938 jüdische Häuser und Geschäfte in Düsseldorf stürmten, Einrichtungen zerstörten, Menschen misshandelten und töteten. Auf dem Boden im Erdgeschoss sind sogenannte „Standpunkte“ angebracht. Anonyme Personenbezeichnungen („Frau“, „Nachbar“, „Freund“, „Schutzpolizist“, aber auch „SS“ und „SA“), die auf die anonymen Zeugen und Täter hinweisen, die damals untätig zusahen oder an den Überfällen beteiligt waren und sich fragten, was als nächstes aus dem Fenster fliegt – ein Stuhl, ein Klavier oder gar ein Mensch. Polizeipräsident Schenkelberg hat versprochen, die Adressen im Foyer als dauerndes Mahnmal zu belassen, wenn die eigentliche Ausstellung am 30. November 2009 endet.


Bilder

Im ersten Stock hängen historische Fotos, die Zeitzeugen und das Straßenbild abbilden. Die Fotos sind in alte Bilderrahmen eingefasst. Sie laufen teilweise über mehrere Rahmen und sind leicht verfremdet, indem sie vergrößert und auf Silberfolie gedruckt wurden. Der entstehende Spiegeleffekt sorgt symbolisch für eine zusätzliche Reflexionsebene. Ebenso wie das zersprungene Glas der Bilderrahmen als Darstellung der zerschlagenen Gegenstände, aber auch als Metapher für die immaterielle Zerrissenheit der Opfer gelesen werden kann. Die Stimmen der Zeitzeugen sind über Kopfhörer zu hören. Ihre Erinnerungen vergegenwärtigen das Leid der Verfolgten, die Schikane, Folter und ihre Todesangst.


Geschichten

Der Hauptteil der Ausstellung wird über 28 Hefte, im Format A5 und A6, transportiert. Der Besucher stöbert in den Heften und kann darin Gedanken und Kommentare notieren. Dies ist eine Metapher für das Durchwühlen fremden Eigentums, wie es während des Pogroms statt fand.


Reflexion

Im Treppenabgang hängt eine zweite Tafel, in die ein Spiegelstreifen integriert ist. Er trägt ein Zitat von Yehuda Bauer: „Da es schon einmal geschah, kann es sich wiederholen“. Der Spiegel ist sandgestrahlt, der Text ist ausgespart, wodurch sich der Leser darin spiegelt. Es wird eine Konfrontation mit der Bedeutung des Satzes erzeugt: Man blickt sich beim Lesen in die Augen.