Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

​​​​​​​​​​


​​​

​​​

Hannah Diefenbach, 'Von der Illusion der Selbstverständlichkeit'
Von der Illusion der Selbstverständlichkeit
Hannah Diefenbach, 'Von der Illusion der Selbstverständlichkeit'


VON DER ILLUSION DER SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
ABSCHLUSSARBEIT BACHELOR OF ARTS
 
In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit unserer Vergänglichkeit auseinandergesetzt und mich auf die Unberechenbarkeit des Lebens, seine Unplanbarkeit und seine positiven, sowie negativen Überraschungen konzentriert. Hieraus resultieren Dankbarkeit und Wertschätzung von Alltäglichem. Hier liegt der Fokus meiner Arbeit, die nicht vom Tod, sondern vom Leben handelt, da es darum geht, dieses Bewusstsein früher zu schärfen als in dem Moment, in dem uns das Schicksal schon schmerzlich überrumpelt hat.
 
Über die Fragilität und Unberechenbarkeit des Lebens stieß ich auf die kostbaren Dinge, die das Leben birgt, auf all das, was begrenzt vorhanden und natürlich vergänglich ist.
Den Wert, den viele kleine alltägliche Dinge im Leben eines Menschen besitzen können und auch wie schnell ein solches Leben vorbei sein kann, habe ich besonders am Tod einer guten Freundin, durch meine Tätigkeit im Hospiz, sowie während meiner Arbeit in einem Krankenhaus in Jerusalem beobachten können.
Oftmals genügen schon ein liebevoll zubereitetes Abendessen und ein Lächeln, um sehr kranken Menschen oder auch deren Angehörigen eine große Freude zu machen.
 
1. LAUF DES LEBENS (Holzreifen)
 
Auf der Suche nach einer geeigneten Form für die Unplanbarkeit des Lebens, habe ich mich von den Jahresringen eines Baumes inspirieren lassen. Die dünnwandigen, aus Grünholz gedrechselten und in ihrem Ausgangszustand regelmäßig angelegten Ringe haben sich während des Trocknungsprozesses unkontrollierbar verformt. Sie stellen Situationen oder Abschnitte des Lebens dar, mehr oder weniger unterschiedliche, die miteinander im Verhältnis stehen und sich gegenseitig beeinflussen können.
Die Ringe werden so zu einem Symbol für die Unberechenbarkeit des Lebens, dafür, dass man noch so genau planen und perfekt sein kann, man dieses aber nie unter Kontrolle hat.
 
GESAMTKONZEPT
 
Durch meine Arbeit möchte ich das Bewusstsein des Betrachters für die kostbaren Dinge im Leben schärfen. Durch eine Veränderung des Blickwinkels werden neue Wertvorstellungen erzeugt. Meine Objekte sollen mithilfe von Materialwahl, Form und Bearbeitung ein emotionales Überraschungserlebnis sein, das auf den Betrachter eine positive Wirkung hat. Ich begegne dabei auf ästhetische Weise einem Thema, dem gerne ausgewichen wird, und will damit einen alternativen Ansatz zu der herkömmlichen Vanitassymbolik bieten, der die Menschen „erdet“ und auf die schönen Dinge im Leben verweist.
Die angestrebte Perfektion in der Ausarbeitung meiner Holz- und Porzellanobjekte, mit dem Bewusstsein, dass diese definitiv nicht in ihrer geplanten Form bleiben würden, macht mein Thema aus. Diese Unplanbarkeit, die im Leben immer vorhanden ist und uns machtlos macht, ist im übertragenen Sinne in allen Ausarbeitungen wiederzufinden.
 
Warum ist etwas oft erst dann besonders, wenn wir schicksalhaft vor Augen geführt bekommen, dass es nicht selbstverständlich ist? Warum kann es nicht schon vorher besonders sein?
Denn so, wie es im Moment ist, kann es jeden Moment vorbei sein.

+
Anna-Maria Heuer & Anja Metzger, 'Aureallery'
Aureallery
Anna-Maria Heuer & Anja Metzger, 'Aureallery'


 
AU:REALLERY
 
Au:Reallery – Augmented Reality Jewellery – wurde designt, um zu entdecken, zu
verbinden und um unsere Welt neu zu denken. Eine Kollektion aus vier Schmuckstücken mit dazugehöriger App, realisiert von Anna Heuer M.A. und Anja Metzger M.A., öffnet die Tore zu einer neuen, augmentierten Wirklichkeit.
In unserer gemeinsamen Masterarbeit zu dem Thema Digitalisierung durchleuchteten wir für uns relevante Themenbereiche wie kreative künstliche Intelligent, Wearables und Augmented Reality. Die daraus gewonnen Erkenntnisse wurden zum Leitmotiv unseres Konzeptes. Wir machten es uns zur Aufgabe, mit unserem Schmuck einen Schlüssel als Türöffner in den digitalen Raum zu kreieren, dem Schmuck dadurch eine neue Aufgabe abseits der Dekorativen zu geben und eine neue Art der Kommunikation zu schaffen.Durch die digitale Revolutionierung verändert sich unsere Kommunikation drastisch und rasant. Sie wird wahnsinnig schnell und unkompliziert, aber auch anonymer und oberflächlicher. Dabei ist sie das wichtigste Bindeglied zwischen Menschen. Aber nicht nur
Worte sind Kommunikation, sondern auch Gestik, Mimik, wie wir uns kleiden und wie wir uns schmücken. Schmuck ist seit Jahrtausenden passives Kommunikationsmittel.Wir haben die digitale Kommunikation und die Körpersprache zusammengebracht und aus dem Schmuck ein aktives Kommunikationsmedium gemacht. Das Schmuckstückwird zum Wearable. Wir als Designer haben dabei die Möglichkeit - anders als beim Smartphone - das smarte Schmuckstück auf eine ganz andere individuelle Ebene zu heben. Nicht „Form follows Function“ sondern „Form features Function“. So entstanden vier Schmuckstücke, die alle an oder in der Hand getragen werden: dort, wo unsere Gesten ausgeführt werden. Mit au:reallery nehmen wir unsere Bewegungen und Gesten mit, als unchoreografierten
Alltagstanz, lassen sie sprechen und machen sie sichtbar in der virtuellen Realität.
Das Besondere ist der Edelstein: Er gehört zu den klassischsten Materialien im Goldschmiedehandwerk– Was eignet sich besser als Schlüssel zur digitalen Welt, als ein Urgestein, dessen Ästhetik zeitlos ist? Gleichzeitig fungiert der Edelstein als Anker zur realen Welt. Die eigens konzipierte App erkennt den Stein in jedem Schmuckstück und verfolgt seine Bewegung virtuell, was als freigestellte Linien als 3D-Objekt auf dem Display sichtbar wird. Die Leinwand, beziehungsweise der Hintergrund ist immer die aktuelle, reale Umgebung. Der Schmuckträger erstellt also ein Augmented Reality-basiertes Bild. Die Farbe für die Linie kann durch den Colorpicker in der App selbst gewählt werden. Außerdem könnendie Linien innerhalb der Community geteilt werden: die gezeichnete Linie wird an Freunde geschickt und erscheint als 3D-Linie auf deren Smartphone-Bildschirm. Zusammen kann man so auch über große Distanzen hinweg gemeinsam Bewegungs-Bilder gestalten und
sich nahe fühlen.

+​
Tegshtuya Gandugar, 'Luxus Moment'

Tegshtuya Gandugar, Luxus Moment
Tegshtuya Gandugar, 'Luxus Moment'

​​

LUXUS MOMENT
 
Tuya Gandugar ist gebürtig aus der Mongolei, wo sie zunächst freie Kunst studiert und mit einem erfolgreichen Bachelor abschließt. 2013 beginnt sie ihr Studium an der Peter Behrens School of Art in Düsseldorf. Für sie ist die Malerei noch oft ein Ausgangspunkt, der in Material übersetzt wird und in einem tragbaren Schmuckstück oder Produkt resultiert.
Die Liebe zur Zeichnung hat sie in ihrer neuesten Kollektion wiederaufgenommen und in den Schmuck einfließen lassen. Es ist eine sehr freie Übersetzung von sehr feinen Bleistiftzeichnungen. Es ist mehr das Gefühl des immer wieder parallel führenden Bleistifts, neben der zuvor wellenförmig gezeichneten Linie. Am Ende ergibt sich das Bild aus vielen feinen, fast parallel schwingenden Konturen. Die Bewegung der Hand und die Zartheit des Bleistifts übersetzt Tuya in weiße halbtransparente Papierstreifen. Diese Linien verlaufen dezent über die Fläche des Brustkorbs und werden an den Enden von feinen Silberösen in eine silberne Ösenkette, die den Nacken um schmiegt, geführt. Sie haben wie die Linien der Zeichnung einen subtilen Schwung, fast parallel und fließen durch die Bewegung des Trägers immer wieder anders.

+
Sarah Regensburger, 'Archetype'


Sarah Regensburger, Archetype
Sarah Regensburger, 'Archetype'

​​

ARCHETYPE
 
Wie verändert das digitale Zeitalter Sprache durch computervermittelte Kommunikation? Eine Flut aus bunten Emojis stellt die Herrschaft der Buchstaben infrage und lässt eine Entwicklung zurück zu einer auf Bildzeichen basierten Sprache erkennen.
Die Schmuckgestalterin Sarah Regensburger beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit in Applied Art and Design intensiv mit diesem Themenfeld: Welche Bedeutung schreiben wir selbst den einzelnen des Alphabets zu? Können wir sie losgelöst von geprägten Urbildern und Erfahrungen betrachten? Ab wann ist ein Buchstabe ein abstraktes Zeichen? Wann wird dieser zur reinen Form oder gar zum Objekt?
In der Schmuckgestaltung steht die Rolle des Betrachters und des Trägers im Zentrum.
Durch den freien Umgang mit Materialität und Abstraktion von bereits bestehenden Zeichen und ursprünglichen Strukturen werden vielseitige Betrachtungsweisen eröffnet. Ausgehend von Archetypen, Urbildern und Urformen bis hin zu Gestaltungsformen der heutigen Konsumkultur, entwickelt Regensburger Schmuck und Objekte, die mit den Erwartungshaltungen des Betrachters spielen und neue, unerwartete Gestaltungsformen eröffnen. Ihre Buchstabenobjekte und deren Formstrukturen bilden eigenständige Zeichen sowie individuelle Identifikationssymbole.

+
Alischa Kilburg, 'Zeitzeugen'

​​

Alischa Kilburg, Zeitzeugen
Alischa Kilburg, 'Zeitzeugen'


ZEITZEUGEN

Eine Fotoreihe von Fassaden und Hauswänden war Inspiration für die Unikate in der Serie. Das Experiment stand hierbei im Vordergrund. Thematisch geht es bei der Glas-und Keramik-Kollektion um das Zurückführen zum ursprünglichen Zustand eines Gegenstandes. Wir versuchen, der Zeit zuvorzukommen, Dinge auszubessern, die zerbrochen oder verblasst sind und reagieren auf diese Veränderungen als Amateurhandwerker. Wir erreichen den Originalzustand vielleicht nahezu, liegen jedoch immer einen Hauch daneben- in Farb-, Material- oder Formwahl. Die Beobachtung im Außenbereich und das Anwenden des Themas auf Keramik- und Glasobjekte, die man im Innenbereich eines Hauses findet soll die Sensibilität des Themas zeigen. Dies macht deutlich, dass es darum geht, etwas erhalten zu wollen. Die Reihe trägt den Namen Zeitzeugen, da sie zeigt, dass wir uns der Zeit und den Veränderungen, die sie mit sich bringt nicht entziehen können.

+
Jasmin Foliak, 'quality time'
Jasmin Foliak, 'quality time'
Jasmin Foliak, 'quality time'

​​qualitiy time
 
 
Abschalten und Balance finden zwischen on- und offline Zeit und das Smartphone beiseite legen ist in der heutigen Zeit nicht einfach. Mit quality time nutzt Du den entspannenden Kerzenschein zum digital detox, Innehalten, Energie tanken oder um fokussiert zu arbeiten. Der Kreis steht für Ruhe und inneren Einheit. Er symbolisiert durch das Zusammenspiel von Stillstand und Bewegung die Zeit. Das Smartphone wird zum Stopper und Du bist abseits von Zeitfresser-Apps und ständiger Erreichbarkeit.

+
Esther Heite, 'Gebraucht'


Esther Heite, Gebraucht
Esther Heite, 'Gebraucht'

​​​GEBRAUCHT
 
 
Die enorme Zunahme an Alltagsgegenständen in den letzten 200 Jahren setzt den Diskurs über ihre Bedeutsamkeit in Gang. Dinge werden zum Symbol, zum Fetisch, sie werden missbraucht, geliebt, vergessen, kaputt gemacht, zu Neuem gemacht. Dinge deuten auf menschliches Verhalten, seine Sehnsüchte und Bedürfnisse. Ich hinterfrage die Zweckzusammenhänge, die Machart, die Funktion und die Bedeutung einiger Gegenstän­de, die Teil des technischen und gesellschaftlichen Wandels unserer Zeit sind. Durch die Entfremdung des gewohnten Zusammenhangs, Funktion oder Form erzeuge ich Paradoxien, die den Träger zur Reflexion anregen sollen.
Der explorative Umgang mit dem Schweißgerät aktiviert in meinem Arbeitsprozess eine neue verzierende Funktion. Ornament und Funktion verbindend, zieht sich die Art der Fügung durch alle Schmuckstücke. Die Kanten der Stücke werden dadurch zu einem wie mit Brillanten besetzten Element in meiner Gestaltung.
In der mikroskopischen Vergrößerung des Punktschweißgerätes erscheinen Millimeter wie Kilometer, die zuvor bearbeitete Beschaffenheit des Metalls wie ein Auf und Ab von Berg und Tal, wie eine Kamerafahrt über die Erdoberfläche.
Der Impuls, der den Schweißpunkt auslöst gleicht einer kleinen Explosion, die einen riesigen Krater im Material hinterlässt. Aus den vielen nebeneinander gesetzten Kratern ergibt sich langsam ein Muster. Ich führe das Material und bin mit der Aufgabe vertraut dieses kleine Materialuniversum zu bespielen.
Durch die Reihung der Stahldrähte ergibt sich ein Raster, das ähnlich wie in einer Pixeldarstellung durch das „An/Aus“ einzelner Punkte zum Ausgangspunkt von Darstellungen wird. In der Kollektion „pixel gleam“ werden die Schweißpunkte zu kleinen, glitzernden Bildpunkte, die einzeln gesetzt ein großes Ganzes ergeben.

+
Tobias Przybilla, 'SLOTchair'


Tobias Przybilla, 'SLOTchair'
Tobias Przybilla, 'SLOTchair'

SLOTchair
 
Tobias Przybilla arbeitet an skulpturalen Objekten in denen künstlerische Aspekte und Produktmerkmale miteinander verschmelzen.
Das Spannungsfeld zwischen Design und Formlosigkeit, Perfektion und Unvollständigkeit, Prozess und Fertigung sind Bestand seiner Untersuchung.
 
 
SLOTchair ist der Versuch U-förmige Holzprofile in Handarbeit herzustellen. Diese können als Hocker oder Beistelltisch benutzt werden. Ü̈ber eine Steckverbindung können beide Elemente zu einem Stuhl mit Rückenlehne kombiniert werden.
Startpunkt für das Projekt waren handgefertigte Sitzschalen aus Biegesperrholz.
Der Ansatz für das Projekt war, diese Schalen für skulpturale Objekte und funktionale Möbel zu verwenden.
Die ersten praktischen Versuche im SS18 waren Schalen aus zwei verleimten Schichten.
Eine U-Form, die umgedreht als Hocker zu benutzen ist.
Das besondere daran war die Sitzfläche, mit der Form von einem gleichschenkligen Trapez.
Mit Hilfe einer positiv- und Negativ-Form ist es möglich die Holzteile zusammenzupressen und so
viele identische Formteile herzustellen.
Zwei dieser U-Teile sollten nun über einen Schlitz in der Sitzfläche zusammengesteckt werden.
So kann man aus zwei Hockern einen Stuhl mit Rückenlehne machen.
Hierbei stellte sich die Schwierigkeit heraus, dass die zwei U-Teile mit ihren Radien
aufeinanderstießen.
Die Rückenlehne steht im Winkel von 12 Grad zur Sitzfläche.
Die in die Sitzfläche eingesägte Nut muss dafür auf Gehrung geschnitten werden.
Dort wo der Radius der Rückenlehne nun auf die Schräge der Standflächen trifft wechselt diese
Gehrung nun mehrfach die Richtung.
Die Herstellung dieser Nut ist aufwendig und es ist schwierig diese präzise herzustellen.
Das Ergebnis dieses ersten Prototypen war also nicht sehr befriedigend.
Die Lösung für diese Problematik war die Veränderung der Sitzflächenform.
Das Trapez musste sich stärker Verjüngen.
Die Sitzfläche muss sich an der Seite, an der die Rückenlehne eingesteckt wird, soweit verjüngen,
dass die breitere Seite über die Fläche und die Schrägen der abgewinkelten Standflächen passt.
Unter der Berücksichtigung das diese ca. 10cm tief eingeschoben wird.
Durch diese Veränderung ist es Möglich die Nut in einer Linie mit immer gleichem Gehrungswinkel
einzusägen.
Die neue Pressform hat die veränderte Trapezform und ist so angelegt, dass 3 Holzschichten
verleimt werden können.
Interessant dabei ist, dass die Logik der Funktion hier auch Einfluss auf die Form nimmt.
Sowohl die Funktionalität als auch die Proportionen der Formteile haben sich in diesem Prozess
verbessert.
Durch die 3 Schicht Verleimung gewinnen die Schalen an Stabilität und zusammengesetzt erzeugt
die Dicke der Schalen ein größeres Volumen und somit auch eine skulpturale Wirkung.
Der nächste Schritt umfasst die Stabilisierung und Oberflächenbearbeitung der Schalen.
Zwei Materialien sollten hierzu in den Prozess eingebracht werden.

+
Anja Bachmann, 'Clasp'


Anja Bachmann, Clasp
Anja Bachmann, 'Clasp'

​​

CLASP


Clasp sind zwei Handspiegel, deren Form durch die Eigenschaften und Bearbeitung des Materials bestimmt wird. Die Formensprache ist geometrisch und reduziert. Sowohl das Design als auch die Materialwahl beider Spiegel zeigen eine Schlichtheit mit markanten Merkmalen.
 
Der 15 mm Breite Aluminiumstreifen verläuft zunächst gerade, bevor er anschmiegsam die runde Spiegelfläche von 150 mm einrahmt, diese umschreibt, um anschließend wieder auf die Gerade zu treffen. Dort werden die Streifen dicht aneinander parallel geführt und von einem passgenauen, farbigen, 30 mm breiten Gummiband in Position gehalten. Die geraden Aluminiumabschnitte dienen dem Nutzer als Handgriff.
 
Zwischen den Aluminiumstreifen des zweiten Handgriffs besteht ein Abstand, der von einem Radius von 15 mm definiert wird. Die Aluminiumstreifen verlaufen wiederum parallel in Richtung der runden Spiegelfläche, dort angekommen driften sie in einem Winkel von 27 Grad jeweils nach rechts und links.
 
Eine in der Materialstärke des Spiegels präzise verlaufende Ausfräsung, in dem abgewinkelten Aluminiumstreifen, lässt die runde Spiegelfläche durch den Metallrahmen dringen und gleichzeitig anhalten. Wiederum ist es ein 15 mm breites Gummiband, was das Metall in der Position hält und mit der Materialspannung den Spiegel fixiert.
 
Es sind zwei Spiegel, die sich auf unterschiedliche Art und Weise die Spannung sowie Flexibilität des Materials zu nutzen machen.

+
Eva Marie Sänger, 'Capture'
Eva Marie Sänger, Capture
Eva Marie Sänger, 'Capture'


CAPTURE
 
Summer and Autumn
They dance together
As a show of force
 
Haiku ist eine speziell reduzierte Gedichtform aus Japan und Ausgangpunkt einer internationalen Kooperation mit der Designhochschule Kolding in Dänemark.
 
Summer and Autumn
They dance together
As a show of force
 
Die drei Zeilen Poesie von Anne Voigt Sonnichsen aus Dänemark lässt Capture entstehen; ein auf ein elegantes Minimum reduzierter Ring.
Ein Haiku beschreibt, wie kraftvoll ein Wandel der Jahreszeiten ist und wie ausdrucksstark einfache Dinge sein können. Durch die Beschränkung auf zwei sehr klare Materialien ohne jegliches Ornament gelingt die Übersetzung der formalen Reduzierung des Gedichtes in den Schmuck.
 
Der Ring ist Farbe, Transparenz und Spannung.
Elegant wie Glas umfließt ein 6mm breiter, halbrunder, transparenter Plexiglas Streifen einen orangefarbenen runden Citrin. Durch eine 180 Grad-Drehung des transparenten Streifens wird der Edelstein in das Material eingespannt, er sitzt fest im Transparenten und ist doch von allen Seiten sichtbar.

Das transparente Material beschreibt sowohl die Ringschiene als auch die Fassung für den Stein. Eine kraftvolle und doch leicht wirkende Drehung des Plexiglasstreifens fixiert den Stein; seine Form vergrößert ihn optisch und lässt ihn quasi am Finger schweben. Das Orange symbolisiert die Farbe, die Sommer und Herbst verbindet und die sie in Ihrem Tanz umschließen.
Das besondere Funkeln des Steins wird durch die natürliche Farbe des Steins, seinen Fassettenschliff und die zusätzliche optische Verzerrung des Plexiglasprofils um Vieles multipliziert.

Greifbare Poesie wird zu tragbarem Schmuck.

+​
Anna van Eck​, 'Read Me'
Anna van Eck, Read Me
Anna van Eck, 'Read Me'

​​

READ ME


Ob die Anfangsbuchstaben der Kinder, oder die Initialen unseres Partners. Wir Alle tragen gerne Schmuck der stellvertretend für unsere Liebsten steht oder uns auf emotionaler Ebene verbindet. Inspirationsquelle für mein Projekt waren daher Buchstaben. Genau genommen die Form und Liniengestaltung der Buchstaben von A bis Z.
Wie lange bleibt ein Buchstabe, Buchstabe? Kann ein Buchstabe zur Form werden?
Mit dieser Fragestellung und einigen weiteren Entwürfen entwickelte ich, Anna van Eck ´READ ME´. Eine Typografie bei der jeder Buchstabe durch Linien aufgebaut und wieder dekonstruiert wird.
Die Innenlinien jedes Buchstaben sind systematisch um 180 Grad verschoben. Bildlich gesprochen habe ich die einzelnen Buchstaben aufgeklappt. Dadurch sind lesbare Formen entstanden, die das Auge erst auf den zweiten Blick entschlüsseln kann. Ich benutze diese neu kreierte Formschrift, um personalisierte Schmuckstücke zu schaffen. Nicht nur einzelne Buchstaben sondern auch ganze Namen oder Sätze werden von mir in Schmuckstücke übersetzt. Es geht mir darum, dass sich der Träger über den Buchstaben hinaus, sich mit seinem Schmuckstück identifizieren kann.
 
Ob Statement-Shirt oder Jutebeutel, seit einigen Jahren sind gedruckte Sprüche auf jeglichem Produkt nicht mehr wegzudenken. Es besteht eine rege Überflutung an plakativen Sätzen und so genannten Statements. Die einzelne Aussage verliert durch die Masse an Kraft und wird nicht mehr wahrgenommen. Dennoch hat jedes Wort eine Bedeutung. Die Kraft des Wortes und die Kraft der Aussage werden in meinem Gestaltungsansatz durch Verschlüsselung wieder in den Mittelpunkt gerückt.
 
Bei meiner Schmuckkollektion Type Me. Wird der Kunde aufgefordert aktiv zu werden und seine Aussage selbst zu bestimmen. Dazu entwickelte ich einen Konfigurator, der die einzelnen Formbuchstaben zusammen fügt. Durch die Verschmelzung meiner Formschrift sind weder Buchstaben noch Formen direkt erkennbar. Es geht nicht darum, dass am Ende eine perfekte, symmetrische Form entsteht. Es geht darum, dass eine spannungsreiche Gesamtform aufgebaut wird, die dem Kunden etwas bedeutet und die den Betrachter anregt, Fragen zu stellen.
 
Als weiteren Ansatz entschied ich mich für drei verschiedene Ausführungen der Schmuckstücke. Light, Medium und Bold steht stellvertretend für die Kontur, die Fläche und das Volumen. Auf das Volumen möchte ich genauer eingehen. Bei der Ausarbeitung der Variante Type Me- Bold ging es primär darum, die Formen im Volumen zu erfahren. Von einer zweidimensionalen Ebene zeichnete ich digital alle Buchstaben, gewohnt systematisch, in den Raum. Die Maße der Linien in der Zweidimensionalität wiesen mir den Weg. Blauer Goldschmiedewachs diente weiter für den analogen Modellbau. Vorerst beschränke ich mich auf die Verschmelzung von zwei Buchstaben. Der Aufbau der Formbuchstaben in ihrer Dreidimensionalität ist facettenreich und bedarf einer intensiven Beschäftigung. Der Satz „Today is the day“ habe ich anlässlich meiner Bachelorpräsentation gestaltet. Die Ohrringe, welche im 3 D Verfahren gedruckt wurden, haben eine skulpturaler Wirkung. Es ist aber nicht nur dieses Verfahren möglich. Das System der Verschmelzung funktioniert in jeder Größe und kann auch aus einem Steinblock gemeißelt werden. Technik und Material treten in meinen Arbeiten hinter das Konzept.

+

 

​​​EInblicke

​Wir entschleunigen. Unser Stand auf der Inhorgenta 2020 soll die Sinne der Besucher auf andere Art stimulieren. Im Gegensatz zur klassischen Präsentation der Schmuckstücke in Vitrinen werden die Besucher überrascht. Denn bei uns fehlen die Objekte. Bewusst zeigen wir keine Endprodukte; Schmuckstücke oder Objekte der Design Studierenden sind nicht ausgestellt, sondern wir setzen das Material und die Geschichte hinter den Stücken in den Mittelpunkt. Wir möchten einen Raum schaffen, der den Besucher mit auf eine Reise nimmt. Unter dem Motto „Erleben statt Sehen“ macht der Studiengang New Craft Object Design, sein Denken und Handeln deutlich. Wir kombinieren zwei Sinneswahrnehmungen auf​ unserem Messestand.


Sehen: Das Auge der Besucher wird von der permanenten Aktivität des Heranzoomens auf kleine Objekte befreit und öffnet sich einer Installation.


Hören: Verschiedene Sprachnachrichten nehmen einen mit auf die Reise. Der Entstehungsprozess eines Stückes, seine Geschichte, Werkzeuge und Techniken, Oberflächen und Farben werden beschrieben. Der Besucher hört einen Blick hinter die Kulissen.