Hochschule Düsseldorf

Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Fachbereiche Architektur & Design
Peter Behrens School of Arts

Aktuelles

HSD - Peter Behrens School of Arts > Dialektik der Technik
Peter Behrens School of Arts / Tagung, Veranstaltung
25.05.2026

Dialektik der Technik

​​​​6. Tagung für Design und Philosophie

Dialektik der Technik: Chancen und Risiken der Digitalisierung und KI

02.–03.07.2026​
Tagung: Raum 06.E.005
Konzert: Raum 06.E.002

Die Digitalisierung und die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) markieren einen der tiefgreifendsten Umbrüche in der Geschichte von Wirtschaft und Gesellschaft. Die damit verbundenen enormen Innovationspotenziale und Effizienzsteigerungen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ethische und soziale Risiken bestehen, die einer kritischen Auseinandersetzung bedürfen. Dabei sollten Digitalisierung und KI nicht lediglich als technische Phänomene betrachtet werden. Ihre Auswirkungen manifestieren sich nicht nur auf technischer Ebene, sondern schaffen auch neue gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse. Die Verbindung von digitaler Technologie und kapitalistischer Gesellschaft manifestiert sich in verschiedenen Formen. Begriffe wie „digitaler Kapitalismus“, „kognitiver Kapitalismus“, „Überwachungskapitalismus“ und „Plattformkapitalismus“ beschreiben diese Verbindung. Die Vertreter dieser Theorie kritisieren die neue Form der Akkumulation von Kapital und Macht in dieser neuen Gesellschaftsform.

Der gegenwärtige technologische Entwicklungsprozess ist mit einer Reihe negativer Konsequenzen verbunden, zu denen zunehmende Tendenzen zu einer Monopolisierung der Macht, einer Zunahme sozialer Ungleichheit und einer Polarisierung der Politik zu nennen sind. In diesem Zusammenhang werden verschiedene kritische Konzepte verwendet, darunter „digitale Singularitäten“ (Andreas Reckwitz), „technologischer Solutionismus“ (Evgeny Morozov), oder „Neofeudalismus“ (Jodi Dean) bzw. „Technofeudalismus“ (Yanis Varoufakis). Zu den weiteren negativen Auswirkungen der Digitalisierung und KI zählen ökologische Folgen, ethische Probleme wie Bias, Rassismus und Sexismus, mangelnde Transparenz, Arbeitslosigkeit, die Prekarisierung und Unsicherheit der Arbeit sowie Probleme im Bereich des Datenschutzes, der Cyberkriminalität, der Überwachung und Kontrolle. Die Technik birgt jedoch auch ein signifikantes Innovationspotenzial und die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Nutzen, beispielsweise in Form von medizinischem Fortschritt oder der Bewältigung globaler Krisen wie dem Klimawandel. Zudem kann sie dazu beitragen, Arbeitsprozesse durch die Automatisierung repetitiver Aufgaben zu verbessern, anstrengende, monotone oder gefährliche Arbeit zu reduzieren oder abzuschaffen, die Arbeitszeit zu senken und somit Zeit für kreative und sinnvolle Tätigkeiten zu schaffen. Langfristig kann dies zur Entwicklung neuer, gerechter und menschlicher Arbeitsmodelle und Gesellschaftsformen führen.

Die Technik der Digitalisierung und KI ist daher ambivalent, zweischneidig, dialektisch. Wie Bernard Stiegler es bezeichnet, ist sie ein „Pharmakon“, ein Heilmittel und Gift zugleich. Technik ist daher als ein dialektisches Phänomen zu verstehen: Sie birgt radikale Innovationsmöglichkeiten (Chancen) sowie existenzielle oder systemische Bedrohungen (Krisen). Die Diskussion über ihre dialektische Wirkung und ihre Einbettung in Wirtschaft und Gesellschaft ist die Basis dafür, dass ihre schädliche Wirkung durch neue soziale Praktiken und Gesetze neutralisiert werden kann. Gleichzeitig kann ihre positive Wirkung gestärkt und gesamtgesellschaftlich genutzt werden. Die eigentliche Krise ist somit nicht einfach die Technik selbst, sondern unsere Unfähigkeit, ihre dialektische Wirkung für das Gemeinwohl nutzbar zu machen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir diese Technik wollen oder nicht. Sie ist bereits tief in unsere Lebenswirklichkeit eingedrungen und fungiert als Infrastruktur von Wirtschaft, Kultur und Macht. Die Frage, die wir uns stellen, lautet: Wie muss diese Technik gestaltet werden, um die potenziellen Risiken zu minimieren und den gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu maximieren? Daher ist es von essenzieller
Bedeutung, Strategien demokratischer Gestaltung, regulative Maßnahmen und
gemeinwohlorientierte Alternativmodelle zu untersuchen und zu diskutieren, um eine bessere Grundlage für die Zukunft zu schaffen. Die Tagung soll als Diskussionsplattform für diese Themen dienen, auf der verschiedene Aspekte erörtert werden können. Sie wird sich mit den folgenden Themen auseinandersetzen:

1. Chancen

  • Innovation und Effizienz
  • Wirtschaftliche Transformation
  • Gesellschaftlicher Nutzen
  • Medizinischer Fortschritt
  • Wissenschaftlicher Fortschritt
  • Bewältigung globaler Krisen
  • Neue Arbeitsmodelle
  • Neue Gesellschaftsmodelle
2. Herausforderungen und Risiken
  • Ethische Bedenken und Bias
  • Arbeitsmarkt und soziale Gerechtigkeit
  • Ökologische Folgen
  • Überwachung und Kontrolle
  • Verhaltenssteuerung
  • Zerspaltung und Polarisierung
  • Machtkonzentration und Monopolisierung
  • Geistige Verarmung
  • Datenschutz und Sicherheit
3. Strategien demokratischer Gestaltung und alternative Modelle
  • Plattform-Kooperativismus, öffentliche Plattformen, Digitale Commons, Digitaler Sozialismus, Post-Work & Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), Interoperabilität und Dezentralisierung (Web3-Ansätze), Postwachstum (Degrowth) im Digitalen, Demokratische Planwirtschaft 2.0, Peer-to-Peer (P2P) Ökonomie, Cloud-Eigentum, Konvivialismus usw.


Programm


Do, 02.07.2026

13:50
Begrüßung: Hyun Kang Kim

14:00–15:00
Markus Rautzenberg: »Sinn ohne Sinn. Datenapophänie und
Pansemiotismus«

15:00–16:00
Christian Jendreiko: »Adam, Adam Riese und Eva«

16:00–16:30 Pause

16:30–17:30
Simon Schaupp: »Künstliche Intelligenz in der ökologischen Krise«

17:30–18:30
Katia Schwerzmann: »›Risiko und Chance‹: Wie Big Tech,
Bildungsinstitutionen und Politik generative KI neutralisieren«

18:30–18:40 Pause

18:40–19:40
Dieter Mersch: »Fehlschläge künstlicher Intelligenzen«


Fr, 03.07.2026

10:00–12:00
Themenpanel »Künstliche Intelligenz und Mythologie«
Ruth Heinz: »Mythologische Narration im Big-Data-Kontext: Annährung an
die Spuren des maschinellen Gedächtnisses«
Luis König: »Mechanische Orakel und Expertensysteme: Epistemische
Plausibilität im Kontext von Large Language Models«
Jan Paffrath: »Künstliches Leben in Mythologie und Literatur: Versuch einer
Systematik der Motive seiner Schöpfer«

12:00–13:30 Mittagspause

13:30–14:30
Martin Doll: »Jenseits des ethischen Solutionismus. Ideen
zu einer digitalen Ethik der Unbestimmtheit«

14:30–15:30
Daniel Radermacher: »Verkörperte Buchhaltung. Einblicke und
Spekulationen zu Tranformationsprozessen bei SAP«

15:30–16:00 Pause

16:00–17:00
Hyun Kang Kim: »Die Arbeit im digitalen Kapitalismus«

17:00–17:30 Pause

17:30
Konzert von Oshio & Jendreiko

18:30
Konzert »Synthetische Träume – Spürbare Reibungen«
Werke von Christian Banasik und Leah Muir
Irene Kurka (Voice) & Christian Banasik (Elektronik)

19:30 Schluss

​​