Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

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PBSA > Mobiles Stadtlabor
Peter Behrens School of Arts / AV-Medien
21.09.2016

Go Public, Mobiles Stadtlabor

Die Digitalisierung erfasst heute nahezu alle Lebensbereiche. Neben dem Privat- und Arbeitsbereich wird über mobile Technologien und digitale Fassaden auch der öffentliche Raum immer stärker digitalisiert.
Über die kontinuierliche parallele Anwesenheit in sozialen Netzwerken weichen die Grenzen zum digitalen Raum schon jetzt immer mehr. Technik ist nicht aufzuhalten, aber die Richtung, in die sie sich entwickelt, kann mitgestaltet werden. Designer/innen haben hier die Aufgabe von Übersetzern: Sie müssen analoge Werte und Informationen in die digitale Welt transformieren – ein sehr entscheidender Vorgang, bei dem durch Unerfahrenheit Menschen, Informationen und Werte aus der digitalen Welt ausgeschlossen werden können.

Anja Vormann, Professorin für AV-Medien am Fachbereich Design, hat im vergangenen Semester über einen FH Basis-Antrag und eine Spende der Firma Mercedes gemeinsam mit dem Studioleiter des Bereichs AV-Medien, Dipl.-Ing. Florian Boddin, einen besonderen Ü-Wagen konzipiert. Der Antrag konnte sich in der Forschungskommission der HSD und auch im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen durchsetzen, obwohl er ein sehr ungewöhnliches „Großgerät" ist. Der Arbeitstitel für das Projekt ist „Go Public, Mobiles Stadtlabor". Der Wagen ist konzipiert für die Forschung im Bereich der zunehmenden Digitalisierung des öffentlichen Raums an der Schnittstelle der Fachbereiche Design, Medien sowie Sozial- und Kulturwissenschaften.

Das mobile Stadtlabor soll die Vielgestaltigkeit menschlicher Kommunikation im öffentlichen Raum untersuchen – und erforschen, wie sich diese Qualitäten in den digitalen Raum transformieren lassen. Wie der klassisch-traditionelle Ü-Wagen überträgt es Nachrichten aus dem öffentlichen Raum - hier steht das Ü aber auch für den Vorgang der Übersetzungsarbeit des Analogen in das Digitale mit allen sozialen, kulturellen, gestalterischen und technischen Aspekten, die dabei eine Rolle spielen.

Das mobile Stadtlabor verfügt dabei über drei Untersuchungseinheiten - eine journalistisch-dokumentarische Ausstattungseinheit (Kameraausrüstung, Tonaufnahmegeräte, Stativ, Lichtkoffer), eine Produktionseinheit für den direkten Schnitt, die Ausspielung in die „Public Viewing"-Einheit oder die direkte Einbindung in ortsbezogene Apps (Computer, Software, WLAN, Monitore) und eine diskursive Einheit, für Liveschaltungen (zwei Monitore, WLAN) oder „Public Viewing". Es ist das Ziel des mobilen Labors, sich ein Bild vor Ort zu machen und auch Menschen zu Wort kommen zu lassen, die aufgrund des technischen Verständnisses, der Bildung oder finanzieller Gründe keinen Zugang zur digitalen Welt haben.
Auch die Studierenden werden in die geplanten Forschungsprojekte dezidiert mit einbezogen. Sie sollen unterschiedliche Erfahrungen und Wahrnehmungen kennenlernen und auch die verschiedenen Formen des kommunikativen Austausches im öffentlichen Raum in den Blick nehmen.

Über WLAN und „Public Viewing"-Monitore können die Beteiligten dann gemeinsam schauen und diskutieren, zum Gespräch einladen oder andere soziale und kulturelle Orte live zuschalten. Das übergeordnete Ziel ist es somit, die digitale Welt mit der realen Welt dialogisch zu verbinden, statt sie als Parallelwelten zu begreifen.​

Prof. Anja Vormann (Mitte) und Dipl.-Ing. Florian Boddin (4.v.li.) bei der Vorstellung des Ü-Wagens mit Mitgliedern des Präsidiums. Foto: Adriane Gruau
Prof. Anja Vormann (Mitte) und Dipl.-Ing. Florian Boddin (4.v.li.) bei der Vorstellung des Ü-Wagens mit Mitgliedern des Präsidiums. Foto: Adriane Gruau