Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

Aktuelles

PBSA > Werkschau Design
Peter Behrens School of Arts / Werkschau
15.07.2016

Werkschau Design

Abschlussausstellung an der Peter Behrens School of Arts – Fachbereich Design

Zum Ende des Sommersemesters hat der Fachbereich Design der Peter Behrens School of Arts an der Hochschule Düsseldorf traditionell für drei Tage seine Pforten geöffnet und Blicke hinter die Kulissen der aktuellen Gestalter-Szene erlaubt: Zur Abschlussausstellung präsentieren die frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen traditionell ihre vielversprechenden Abschlussarbeiten, die im aktuellen Semester in den Studiengängen „Kommunikationsdesign“, „Applied Art and Design“ und „Exhibition Design“ entstanden sind.

Auch in diesem Semester konnten sich die Besucher wieder auf überraschende Exponate freuen: Sechs der insgesamt 72 Nachwuchs-Designerinnen und -Designer haben sich dabei auf das Schmuck- und Produktdesign spezialisiert. Im Bereich Kommunikations­design entstanden 56 Abschlussarbeiten, weitere zehn im Master-Studiengang „Exhibition Design“. Die Präsentationen boten einen umfassenden Überblick über sämtliche künstlerischen Darstellungsformen in einer breiten Themenpalette: Das Angebot reichte von ausgefallenen Schmuckstücken über die Konzeption von Lifestyle-Magazinen, Animationsfilmen, Ausstellungs- und Messeständen bis hin zu Image- und Kommunikationskampagnen.

„Ideen. Das Buch Le Grand“ von Heinrich Heine
Lisa Köhler etwa hat sich in ihrer Master-Arbeit mit der Gestaltung der Kommunikationsmedien für die Ausstellung „Sprache als Ereignis. Ein allegorischer Liebesbrief“ zu „Ideen. Das Buch Le Grand“ von Heinrich Heine beschäftigt, die im Oktober dieses Jahres im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf zu sehen sein wird. Zwei Semester lang forschten Studierende unter der Leitung von Prof. Irmgard Sonnen und Dipl.-Des. Kathrin Tillmanns hierzu insbesondere unter den Aspekten der Phänomene Stillstand und Bewegung, der schnelle Wechsel von Stil- und Sprachebenen, das Überschreiten von Gattungsgrenzen, das Prinzip der Collage und der Gegensatzpaare. Diese wurden durch entsprechende Gestaltungselemente für Typografie, Layout und Bildsprache untersucht, auf deren Grundlage Bildkonzepte in Form von Fotografien oder Fotomontagen entstanden – immer mit dem Ziel, eine dialogische Funktion zu den Texten Heines herzustellen, die für den Betrachter eine eigene Reflexionsebene öffnen. Entwickelt wurden medienspezifische Gestaltungen für das Buch als Objekt, das Medium Plakat und eine Lichtinstallation. Lisa Köhler wiederum hat diese Projekte in ihrem Katalog zur Ausstellung zusammengeführt und um Interviews mit ihren  Kommiliton/innen ergänzt, die neben den persönlichen Lieblingszitaten auch Darstellungen der unterschiedlichen Herangehensweisen enthalten. 

53 Trinkhallen, eine alltägliche Reise durch das Ruhrgebiet
Vom niederrheinischen Alpen quer durch das Ruhrgebiet bis zurück nach Xanten sind Cecile Leufgen und Ilona Jablonski an 53 Trinkhallen der Frage nachgegangen, was die Region eigentlich ausmacht. Der alltägliche Ort und das Unaufgeregte, beiläufige Geschehen an der Trinkhalle rückte dabei in ihren Fokus. Die beiden Studentinnen führten Gespräche mit Menschen, die sie vor Ort antrafen, hörten aufmerksam zu und nahmen auf. Das Fazit: So unterschiedlich die Menschen, Städte und Trinkhallen der Region sind, so unterschiedlich sind auch deren Inhalte. Ein Ausflug in die Alltagskultur des Reviers und ein Experiment, bei dem am Ende ein Buch entstand, mit dem man das Ruhrgebiet auf außergewöhnliche Art und Weise entdecken kann.

„Parasomnie“
Eine ebenfalls gelungene Buchgestaltung mit kongenialen Illustrationen ist Stefanie Schierhoff gelungen. Auf sensible Weise geht sie mit dieser weitverbreiteten Problematik um und hat sich dem Thema auch gestalterisch sehr feinfühlig genähert. Parasomnie bezeichnet unerwünschte und unangemessene Verhaltensauffälligkeiten, die überwiegend aus dem Schlaf heraus auftreten, wobei es auch zu Schlafunterbrechungen kommt. Während diese Schlafstörungen im Kindesalter unter anderem aufgrund vorübergehender Reifestörungen des Gehirns auftreten können und meist als harmlos betrachtet werden, sind sie im Erwachsenenalter meist komplexer und durch auffällige Verhaltensweisen gekennzeichnet, so dass sie in bestimmten Fällen eine medizinische Klärung erfordern. Das Sachbuch, das Stefanie Schierhoff konzipiert hat, nähert sich dem Thema aber bewusst nicht auf einer rein sachlichen Ebene, sondern im Gegensatz zu den üblichen, eher dunklen Darstellungen mit einer warmen und weichen Menschlichkeit, die die Problematik auch für nicht Betroffene atmosphärisch öffnet.

Wissen und Erkenntnis
Die Master-Arbeit von Felix Rabe wiederum greift eine traditionell aus der Schule bekannte Methode zur Erzeugung von Inhalten auf und bettet sie in den Zusammenhang von akademischer und künstlerischer Forschung ein: Das Medium des „Heftes“ an sich ist ein physisch abgeschlossenes Medium. Es besteht aus einer Anzahl von Papierlagen eines bestimmten Papiers in einem bestimmten Format. Schüler/innen haben einige Hefte von diesem Typus in ihrer Tasche. Um eine Ordnung herzustellen, haben sie für jedes Thema ein eigenes Heft. Sie sammeln Wissen und übertragen es aus dem Mund der Lehrer, aus dem Text einer Lektüre oder aus eigener Beobachtung in das Heft und halten in eigenen Worten fest, was wichtig erscheint. Das Wissen bekommt eine Form. Eine inhaltlich oder visuell verbindende Reihe aus gestalteten Heften bildet die gerade Struktur der Arbeit, die durch künstlerische Experimente in alle Richtungen ergänzt wird – und somit wurde von Felix Rabe nicht nur ein Thema bearbeitet, sondern gleich 40. Dadurch wird nicht ein Ergebnis angeboten, sondern eine Vielfalt, die sichtbar macht, wie ein einziger Gestalter auf unterschiedliche Themen und Probleme reagiert und immer zu einer eigenständigen Lösung finden kann.

analog & digital - Entwurf der interaktiven Schrift „agil“
In einer Zeit, in der Kommunikation mehr als je zuvor schriftlich erfolgt, muss digitale Schrift ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern. Charlotte Lengersdorf bricht in ihrer Bachelor-Arbeit die Grenzen traditioneller Schriftgestaltung auf. Ihre Schrift „agil“ zeigt eine Entwicklung von statischen Buchstaben zu agilen, dynamischen Formen. Inspiriert von analoger Schrift reagiert „agil“ interaktiv und abstrahiert sich mit zunehmender Schreibgeschwindigkeit. Auf diese Weise macht Charlotte Lengersdorf mit ihrer Schrift den an Zeit gebundenen Prozess des Schreibens erfahrbar. Der Schreiber hinter der Schrift wird sichtbar und digitaler Text wächst über seinen Inhalt hinaus – der mechanische Prozess des Tippens wird individualisiert. Am „agilomat“ konnten die Besucher der Werkschau ihren Einfluss auf die interaktive, digitale Schrift „agil" selber testen.​

Design SoSe 5
Die Grenzen traditioneller Schriftgestaltung bricht Charlotte Lengersdorf mit ihrer Schrift „agil“ auf. Fotos (5): Michael Kirch
Design SoSe 1
Lisa Köhler entwarf sämtliche Kommunikationsmittel für die im Oktober im Heinrich-Heine-Institut gezeigte Ausstellung zu „Ideen. Das Buch Le Grand“.
Design SoSe 2
53 Trinkhallen in und um das Ruhrgebiet herum besuchten Cecile Leufgen und Ilona Jablonski. Hieraus entstanden ist ein ungewöhnlicher Reiseführer durch das Revier.
Design SoSe 3
Stefanie Schierhoff gelang mit ihrem Buch über Parasomnie eine sensible Darstellung einer zwar weit verbreiteten, aber nach wie vor recht unbekannten Krankheit.
Design SoSe 4
Die Master-Arbeit von Felix Rabe griff eine traditionell aus der Schule bekannte Methode zur Erzeugung von Inhalten auf und bettete sie in den Zusammenhang von akademischer und künstlerischer Forschung ein.