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HSD - Peter Behrens School of Arts > Hebammenhaus in Havé / Ghana beim Social Design Award
Peter Behrens School of Arts / Wettbewerb, Social Design Award
07/10/2019

Hebammenhaus in Havé / Ghana beim Social Design Award

​Wie sieht das Wohnen der Zukunft aus? Rund 150 Vorschläge wurden beim Social Design Award eingereicht. Zehn davon stehen auf der Shortlist – darunter das Design-Build-Projekt „HEBAMMENHAUS“ am Fachbereich Architektur der Peter Behrens School of Arts, über das hier abgestimmt werden kann.

Etwa 50 Studierende haben in den vergangenen Jahren in ihren Semesterferien gemeinsam mit amerikanischen Studierenden, deutschen Handwerksauszubildenden und ghanaischen Berufsschülern ein Hebammenwohnheim entworfen und in ihren Semesterferien gebaut. Fertiggestellt wurde das Projekt 2017.

Das Dorf Havé Etoe liegt mitten im Dschungel im bergigen Teil an der Grenze zu Togo. Wie die meisten Dörfer ist Havé ein typisches „Straßendorf“ und liegt an einer viel befahrenen Durchgangsstraße, die den Süden und Norden des Landes verbindet. 8000 Menschen leben in Havé, etwa die Hälfte davon sind Kinder. Die Voltaregion ist überwiegend von Landwirtschaft abhängig. Die Geburtsstation mit dem angeknüpften Krankenstation ist das zentrale Herzstück der Dorfgemeinschaft von Havé und versorgt weitreichende Teile der Region. Aufgrund des großen Versorgungsgebiets steigt der Bedarf an Fachleuten in der Geburtshilfe; doch eine Aufstockung des Personals war bisher aus Mangel an Wohnraum nicht möglich. Hebammen kommen aus allen Teilen des Landes und brauchen geschützten Wohnraum mit ihren Familien. Bisher waren die Fachkräfte immer jahrelang von ihren Familien getrennt. Der Kölner Verein Meeting Bismarck e.V. hat die Situation vor Ort erkannt und arbeitet seit Jahren an einer Verbesserung.

Insgesamt besteht das Hebammenhaus aus vier Mini-Einheiten mit je 30 m2 Wohnraum. Die beiden Häuser mit je zwei Wohneinheiten werden durch einen innenliegenden gemeinschaftlichen Hof verbunden. Dieser bildet den zentralen lebendigsten Ort der Anlage und bietet genügend Raum für ein gemeinschaftliches Zusammenleben. Hier wird gewaschen, Hühner, Gemüse und Obst gezüchtet, gekocht, diskutiert und auch gespielt. Vorbild für die Anordnung der vier Wohneinheiten war die alte traditionelle, leider meist vergessene ghanaische „Compound Siedlung“, in den verschiedensten Familien und Dorfbewohner traditionell in einem engen Zusammenschluss um eine gemeinschaftliche ganz enge Mitte leben.


Es ist ein nachhaltiges Haus mit passivem Klimakonzept entstanden, wo Ghanaische und deutsche Hebammen sowie -Schülerinnen in unmittelbarer Nähe zur Geburtsstation mit ihren Familien in einer Wohngemeinschaft leben, arbeiten, lernen und ausbilden. Sie bieten Kurse für Mütter bieten an und unterstützen die Frauen mit Vor- und Nachsorge der Säuglinge.

Wichtig für das Projekt ist gleichzeitig das Sichern der Privatsphäre der einzelnen Hebammen, das Schaffen einer einladenden öffentlichen Atmosphäre für die oft unsicheren Patientinnen und eine enge familiäre Gemeinschaft der Hebammen. So gibt es in jeder der Einheiten eine kleine Küche, 6 Schlafplätze, einen multifunktionalen Wohnraum und ein Bad. Im Außenbereich gibt es eine gemeinschaftliche Außenkochstelle, einen Brunnen, eine Waschmöglichkeit, sowie große überdachte Terrassen. Eine Wohneinheit und die größte Terrasse bietet Platz, um Kurse -Geburtsvorbereitung und Baby- und Kleinkindpflege -, sowie Versorgung, Impfungen und Untersuchungen für Neugeborene anzubieten.

Hintergrund:
Das "Design-Build-Programm" an der Peter Behrens School of Arts / Hochschule Düsseldorf experimentiert mit innovativen Lernmethoden, die den praktischen Unterricht als Konzept in den meist theoretischen Lehrplan integrieren. Diese Methodik hat eine neue Studien- und Forschungstypologie entwickelt: Im Rahmen des Studiums lernen Bachelor- und Masterstudenten, ihre Ideen 1:1 umzusetzen - von der ersten Skizze bis zur Schlüsselübergabe.

Das gemeinsame Entwerfen + Bauen, das Zusammenleben und -Arbeiten der Hochschulen, der späteren Nutzer + des Dorfes vor Ort ist ein wesentlicher Aspekt und unterstützt die direkte Erfahrung des Konzepts "Build Together - Learn Together". Die Herausforderung des Programms fördert die Stärkung des eigenverantwortlichen Handelns für alle Beteiligten und schafft einen kollektiven Prozess der sozialen Gemeinschaft.

Wer war beteiligt?
Studierende des Bachelor- und Masterprogrammes an der PBSA / Hochschule Düsseldorf - Fachbereich Architektur und Design, Georgia Institute of Technology Atlanta - Fachbereich Architektur, Hochschule Koblenz - Fachbereich Architektur, lokale Berufsschule Have Tech, die beratenden Ingenieur Büros Transolar Stuttgart und Imagine Structure Frankfurt/ Köln, Meeting Bismarck e.V. Köln, Engagement Global Düsseldorf. 
 
https://www.youtube.com/watch?v=v-9_bgffW68

Hebammenhaus in Havé 4
Photos: private source​