Hochschule Düsseldorf
University of Applied Sciences
Peter Behrens School of Arts
Fachbereiche Architektur und Design

Creating-Space

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​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​Unter dem Titel "Creating-Space" bespielten Studierende des Fachbereichs Design unter Leitung der Professoren Dr. Reiner Nachtwey und Dr. Stefan Asmus und des instituts bild.medien die Medienfassade des Sparda-Carré am Hauptbahnhof in Bonn. Über einen Zeitraum von fünf Jahren bestimmten filmische Lichtkunstwerke den Ort sowie die vorübereilenden Passanten in einer ganz besonderen Eigenheit.

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Creating Space, Bo​nn

​​von Prof. Dr. Reiner Nachtwey und Prof. Dr. Stefan Asmus
Auszug aus dem Vorwort der Publikation "Creating-Space“1​

Im September 2010 wurde die Medienfassade am neu errichteten zentralen Gebäude der Sparda-Bank West in Bonn in Betrieb genommen. Die Medienwand wurde als semitransparenter LED Screen auf fest installierte Lamellen aufgebracht, die sich als Sonnen- und Tageslichtblende vor der Fensterfront des 3. OG befinden. Architektonisch handelt es sich bei dem Neubau um einen an einer Straßeneinmündung gelegenen Eckbau mit zwei ungleich langen Seiten. Die Medienfassade verläuft dementsprechend über die Hausecke und passt sich in das Raster der Fenster und der Fassadengestaltung ein. Durch diese Einpassung in die Ecksituation der Architektur ist der Bildschirm gestalterisch betrachtet in zwei Flächen geteilt. Diese haben die Ausmaße von 14,63m x 2,80m und 6,82m x 2,80m.2​​ Beide Flächen werden technisch wie ein einziger Bildschirm angespielt.

Semitransparenz bedeutet in Bezug auf den LED Screen, dass sich hinter dem Bildschirm die Fenster der Büros befinden, aus denen heraus durch den Bildschirm hindurchgeschaut werden kann bzw. umgekehrt, in die das Tageslicht in abgeblendeter Form einfällt. Diese technische Spezifik der Medienwand zieht eine vergröberte Bildauflösung nach sich, die jedoch durch den großen Betrachtungsabstand relativiert wird. Die Inbetriebnahme der Anlage im Herbst 2010 unterlag der Auflage der Stadt Bonn, auf dieser Medienwand keine Werbung zu zeigen, sondern sie ausschließlich künstlerischen Inhalten vorzubehalten. Diese Auflage durch die Stadt Bonn zeigt deutlich, dass die Öffentlichkeit, hier in Form der städtischen Verwaltung, bezüglich der Inhalte und der Lichtemissionen des neuen Massenmediums sensibel geworden ist. Um die Betreibung und Kuratierung der Medienfassade unter diesen Maßgaben sicherzustellen, wandte sich der Bauherr durch seine Stiftung »Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West« an verschiedene Künstler, Designer und Gestaltungsfakultäten des Landes.

Im Rahmen eines internen Wettbewerbs wurde das Angebot der Fakultät Design der Hochschule Düsseldorf unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Asmus und Prof. Dr. Reiner Nachtwey ausgewählt, weil nicht nur auf die Produktion eines adäquaten Inhaltes zur Bespielung der Medienfassade gesetzt, sondern eine systemische Gesamtstrategie entwickelt und angeboten wurde, die kommunikative, gestalterische und technische Dimensionen umfasst. Hierzu zählt neben der Berücksichtigung der sozialen Implikationen und des städtischen Umfelds insbesondere die Entwicklung eines Internetauftritts3 als Kommunikationsplattform sowie die eigenständige Programmierung eines Content Management Systems im Sinne eines Broardcastprogrammes für die interne Kommunikation, Verwaltung und Veröffentlichung der künstlerischen Inhalte der Medienwand.4

Gefördert wurde das gesamte Projekt »Creating Space« von der »Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West«. Das Anliegen dieser Stiftung ist es, unter dem Motto »entdecken.handeln.fördern« kreative Ideen in allen Lebensbereichen zu unterstützen und nachhaltig für die Vielfalt und Lebendigkeit der Gesellschaft einzutreten. Dazu gehört auch, Kunst in den Alltag einzubringen und angehenden Designern und Künstlern Möglichkeiten zur Entwicklung und Veröffentlichung ihrer Ideen zu geben. Das Sparda-Carré in Bonn ist hierfür ein gutes Beispiel.

Die Medienfassade wurde infolge dieses Zuspruchs in den Jahren 2010 bis 2015 mit Lichtkunstwerken bespielt, die von Studierenden der Fakultät Design der Hochschule Düsseldorf erarbeitet wurden. Die Studierenden sollten dem Betrachter an einem sehr belebten Platz der Stadt Bonn, in direkter Nähe zum Hauptbahnhof und mit anspruchsvoller sozio-dynamischer Struktur, Gelegenheit zu spontaner Kontemplation, zu anschaulicher Betrachtung in ruhiger visueller Atmosphäre anbieten.

Die visuelle Attraktion sollte niemals ablenken, sie sollte hinlenken auf die eigene Wahrnehmungsbereitschaft in der Auseinandersetzung mit einer bildmächtigen, aber ruhig und besonnen intervenierenden medialen Inszenierung. Die im Laufe der Jahre entstandenen Kunstprojekte, Filme und Animationen folgen sehr unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen und sind in ihrer gestalterischen Bandbreite insgesamt überraschend divers. Dennoch thematisierten sie bei aller Vielfalt immer wieder in verschiedener Form die Zeit und ihr Bedeutungsspektrum für die moderne, von nervöser Betriebsamkeit geprägte Gesellschaft, das unmittelbare urbane Umfeld in Form des Lebens auf dem Platz vor der Bank sowie deren Fassadenarchitektur selbst.​


1 ​Asmus, Stefan [Hrsg.]; Nachtwey, Reiner [Hrsg.]: Creating Space. Aus Lehre und Forschung 12. institut bild.medien, Hochschule Düsseldorf. Düsseldorf 2016, S. 7ff. 
2 Die Medienwand an der Sparda-Bank in Bonn wurde entwickelt, installiert und betrieben von der Firma: Bocom Energiespar-Technologien GmbH, Wankelstraße 13, 41352 Korschenbroich; www.bocom-farblicht.de
3 www.creating-space.de
4 Die Software und das Programm »Media Wall System« wurde von den Studierenden Martin u. Michael Kutz sowie Markus Seifarth unter Betreuung von Prof. Dr. Stefan Asmus entwickelt.


"Creating–Space. Aus Lehre und Forschung 12."​

​Zum Projekt erschien eine Publikation in der Reihe ALUF - Aus Forschung und Lehre

ISBN 978-3-941334-23-6

Gestaltung: Anna Gepting

Begleitung: Prof.in h.c. Irmgard Sonnen, Dr. des. Kathrin Tillmanns